Am Samstag kamen meine Eltern. Ich habe mich drauf gefreut, endlich etwas zu tun zu haben. In der letzten Woche habe ich oft geweint, weil ich meinen Bruder so vermisst habe und mich gefragt, wie ich die nächsten Wochen ohne ihn aushalten soll.
Gestern gegen 12 kamen meine Eltern ins Zimmer, begrüßten mich. Plötzlich ging die Tür nochmal auf. “Überraschung!” Meine Schwester und mein Bruder kamen herein. Bei mir brachen alle Dämme. Mein Bruder war da. Er war da. Mit meiner Schwester hatte ich jeden Tag telefoniert und sie hatte echt kein Sterbenswörtchen gesagt, obwohl die Sache schon seit letztem Sonntag geplant war. Ich brauchte einen Moment, um mich zu beruhigen. Die anderen unterhielten sich und ich saß da und beobachtete sie, und dachte es ist wie daheim. Wir sind dann runter in die Cafeteria, Brettspiele spielen. Mein Bruder saß neben mir. “Komm, wir kaufen uns später ne Tüte Chips.” (Haben wir dann nicht.)
Während meine Schwester und meine Mutter shoppen gingen, blieben wir zum Spielen zurück. Mein Vater zeigte meiner Mutter noch etwas, mein Bruder und ich waren also alleine. Als mein Vater zurückkam, lagen wir auf meinem Bett mit dem Netbook und P. spielte mit mir Minesweeper. Ich verstand es überhaupt nicht und schaute eigentlich nur zu. “Los, L., jetzt schaffen wirs. Diesmal packen wirs…” “Äh…Du spielst, ich nicht.” “Trotzdem.”
Jedesmal wenn ichmich beim Spielen über was zu sehr gefreut habe, bekam ich, wohl spastikbedingt, Schmerzen. Sein Kommentar: Du darfst nicht so emotional spielen.
Heute haben wir wieder gespielt und kurz bevor sie fuhren ereignete sich in meinem Zimmer folgende Situation:
Meine Mutter: “Ich räum mal deinen Nachttisch auf. Warum liegt die Bürste hier?” “Ich föhne mich immer im Bett.” “Sie brauch aber nicht hier zu liegen. Ich leg sie ins Bad.” “Kannst du sie bitte wieder zurück legen?” “Nein.” Meine Schwester: “Warum denn nicht?” “Weil die hier nicht liegen soll. Sie kann sie ja nehmen, wenn sie sich föhnt.” Ich: “Leg bitte die Bürste wieder da hin!” Meine Mutter rührt sich nicht. Mein Bruder: “Was soll das denn? So muss sie sich doch viel mehr bewegen.” “Soll sie ja.” Ich: “Ich beweg mich auch so, keine Angst.” Bruder: “Weil sie die Bürste auch so gut mit Krücken transportieren kann. Jetzt leg sie wieder hin.” Meine Mutter legt die Bürste auf den Nachttisch mit dem Kommentar: ” Es gibt auch Hosentaschen.”
Ich sage dazu nur soviel: Wie daheim. Wenn er sich nicht eingemischt hätte, wäre die Bürste im Bad gelandet, hundertpro.
Dann der gefürchtete Abschied. Umarmung, tief seinen Duft einatmen. “Bau keine Scheiße, von wegen Prüfungen verhauen.” “Guck, das du schnell nach Hause kommst.”
Ich habe es geschafft, meine Tränen zurück zu halten, bis die Tür zu war.