Am Freitag war Vorkerb. Als die anderen in W. waren, hat mein Bruder angerufen, damit mich meine Mutter hinfährt. Laufen wäre zu hart gewesen. Dort angekommen, nett begrüßt worden, direkt mit M. und A. geredet. Sobald mein Straußbub mit den Getränken da war, sind wir in die Kneipe. Viel gesungen, wie immer. Von L. ein Glas Sekt ausgegeben bekommen, und versucht den Alkoholpegel der anderen annähernd aufzuholen. Eine recht amüsante Disskussion mit meinem Bruder geführt, in der es unter anderem darum ging, dass seine Freundin sich nie für die wichtigen Sachen interessiert.
Um kurz nach zehn kamen dann die örtlichen Straußbuben und es ging los Richtung G. Unterwegs habe ich C. versprochen, ihm was auszugeben, wenn wir da sind. Irgendwann habe ich zu K. gemeint: “Du passt ja ein bisschen auf mich auf, oder?” “Tut mir Leid, aber ich bin nicht mehr in der Lage dazu. Wir passen alle aufeinander auf.” Ich wusste ja nicht, dass ich das kurze Zeit später hautnah erleben würde. Mit K. habe ich mich wirklich wunderbar unterhalten. Darüber, dass er mich vor den Sitzungen nie gesehen hatte und dass ich mich nicht zu schämen bräuchte. Und außerdem: P. ist dein Bruder und F. dein Cousin. Wenn dir also jemand dumm kommt, brauchst du nur zu sagen: Ey, ich bin die Cousine von F.. Dann macht dich keiner mehr dumm an. Ich find dich korrekt, so vom Charakter her.
Ich denke mal wenige Momente danach, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, über was genau wir geredet haben, bin ich gestolpert. Normalerweise kein Ding, ich fang mich eigentlich immer selbst auf. Diesmal nicht: Ich merke wie ich nach vorne falle und meine Flasche loslasse. Sie zerspringt auf dem Asphalt. Dann komme ich auf dem Boden auf.
Mit dem Mund Richtung Boden nuschle ich: “Oh scheiße.” Dann zieht mich auch schon jemand hoch. Es sind direkt Leute da. K. und die “Mama”. Tempos werden auf die blutende Hand gedrückt, K. nimmt vorsichtig meine rechte Hand und dreht sie, “Geht das?” fragend. Sie war nicht verletzt, was mich nicht wundert. Mein Bruder ist da, versucht mich zu beruhigen, seine Freundin hält mich im Arm. Die nüchternste ruft meine Mutter an. Das wichtigste wurde immer wieder wiederholt: “Bis zu de Kerb biste wieder fit.” Ich heule, weil ich an die Worte meiner Mutter denken muss: ‘Wenn du fällst, ist es etwas anderes, als wenn jemand anderes fällt.’ Sie kommt.
Im Auto weine ich noch mehr. Mein Bruder öffnet die Tür: “Hey, warum weinst du so? Es ist doch nicht so schlimm.” “Es tut mir so Leid! Wirklich! Feier weiter.” Ich habe mich so geschämt. Jeder andere wäre nicht gefallen und an dem Abend war ich der festen Überzeugung, dass mein Bruder sich geschämt hat. Umso mehr habe ich mich geschämt – und gehasst.
Fazit: Geprellter Daumen und Rippe. Hmpf. Der Abend wäre sicherlich so geil weitergegangen.
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